Von:
Sabine Ficht

e-wochenende.de

"Endlich Wochenende" – diese Lebenseinstellung teilen viele Menschen. Wer unter der Woche die morgendlichen Radiosendungen hört, wird stets in dem Eindruck bestätigt, dass das eigentliche Ziel der Woche das Wochenende ist. Montag ist der absolute Tiefpunkt der Woche, an dem das Aufstehen besonders schwer fällt und die ganze Arbeitswoche noch vor einem liegt. Am Dienstag bessert sich die Lage leicht, da nun immerhin schon ein Tag der Woche geschafft ist. Ab Mittwoch werden erste Tipps für das Wochenende in die Sendungen eingespielt und spätestens ab Donnerstag bricht dann die Vorfreude auf das lang ersehnte Wochenende aus. Bereits am Freitagmorgen zählen die Radio-Moderartoren dann Stunde für Stunde den Countdown Richtung Feierabend und endlich ist das Wochenende da.

Zwei Tage frei sein von allen Belastungen der Arbeitswoche. Zwei Tage nur das tun, was man tun möchte. Zwei Tage entspannen. Schade nur, dass am Sonntagabend schon wieder alles vorbei ist.

Streng genommen sollte der Sonntag aber gar nicht zum Wochenende gehören. Es ist der erste Tag der Woche. Bis in die 1970er Jahre begannen Kalender mit dem Sonntag als ersten Tag der Woche und auch heute noch lassen sich viele digitale Kalender am Computer oder auf dem Handy entsprechend umstellen.

Gemäß des biblischen Schöpfungsberichts schuf Gott die Erde in sechs Tagen und ruhte am siebten Tag, dem Sabbat, dem heutigen Samstag. Er ist noch heute der Ruhetag der Juden. Doch bereits für die Urchristen war der Sonntag, als der Tag der Auferstehung Jesu, der wichtigste Tag der Woche. Unter Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert wurde der Sonntag zum Feiertag erklärt.

Der Sonntag also als Tag der Erinnerung an die Auferstehung Jesu, an einen Neubeginn, an einen erneuten Start. Diese Vorstellung finde ich heute kaum noch in meinem Umfeld. Den Sonntag begreifen als Neustart in die Woche; als Tag an dem ich Energie sammeln kann, sei es durch einen Gottesdienstbesuch oder Zeit mit meiner Familie und Freunden; als Tag, der mich mit Freude auf die kommende Woche blicken lässt.

Es ändert sich viel an der eigenen Lebenseinstellung, wenn man nicht das Wochenende als wohlverdiente Entlastung von der sonst so unangenehmen Woche empfindet, sondern die Chance ergreift, samstags mit der alten Woche abzuschließen und sich sonntags schon auf die neue Woche einzustimmen. Kraft sammeln und sich bewusst vorbereiten auf das, was kommt.